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Nicht
wie Sternschnuppem
Das letzte Wort des Apostolischen
Glaubensbekenntnisses, das wir jeden Sonntag im Gottesdienst sprechen,
heißt: Ewiges Leben. Der letzte Sonntag im Kirchenjahr wird seit
geraumer Zeit auch Ewigkeitssonntag genannt. Das Letzte, was die
christliche Kirche angesichts eines gestorbenen Menschen zu sagen
vermag, ist die Bitte, dass Gott ihm das ewige Leben schenken möge.
Auf das ewige Leben
läuft offenkundig alles hinaus, was den christlichen Glauben, die
christliche Botschaft und ein christliches Leben ausmacht. Es ist die
Pointe unseres Glaubens an Gott. Sie liegt in der Ewigkeit und nicht
in der Zeit.
Für nicht wenige
Menschen ist das eine abenteuerliche Behauptung. Sie vermuten, es
handle sich hier um eine illusionäre Phantasie, welche die Todesgrenze
leugnen möchte. Solche Phantasien gibt es in der Religionsgeschichte
tatsächlich in großer Zahl. Mit ihnen träumen sich Menschen über ihr
kurzes und unvollkommenes Leben hinaus. In unserer religiös
pluralistischen Gesellschaft hat z.B. die Vorstellung von der
Seelenwanderung eine gewisse Konjunktur. Sie tröstet darüber hinweg,
das wir nur einmal kurz auftauchen wie Sternschnuppen, uns mit diesem
Leben abrackern und dann wieder verschwinden. Der Wunsch nach einer
„zweiten Chance“ ist angesichts dieses sinnlosen Geschicks durchaus
verständlich.
Doch solche Wünsche
wuchern in Menschen, die an Gott glauben, nicht. Sie bekennen sich
vielmehr dankbar dazu, dass Gott, der Schöpfer, ihnen das Leben als
eine einmalige Gelegenheit geschenkt hat. Aber es ist kein in
die Grenzen von Raum und Zeit eingesperrtes Leben. Denn Menschen, die
an Gott glauben, haben es schon immer mit der Ewigkeit zu tun. Sie
erleben die Nähe des ewigen Gottes. Mit der Ewigkeit bekommen sie es
darum nicht erst zu tun, wenn sie sterben. Sie werden von ihrem
Geheimnis jeden Tag berührt.
Für uns fallen
Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft auseinander. Unser Leben
verbraucht und zerstreut sich in diesem Ablauf. Darum empfinden es
viele Menschen als zusammenhangslos und sinnlos. Gottes Ewigkeit aber
hat die Kraft, unsere Lebenszeiten zu einem Ganzen zu sammeln. Jeder,
der zum ewigen Gott betet, kann diese Erfahrung machen. Alles, was wir
in der Vergangenheit erlebt haben, gegenwärtig erfahren und für die
Zukunft erwarten oder befürchten, vertrauen wir hier einem Frieden der
Zeiten an, den wir Gottes Ewigkeit nennen. So wird es auch sein, wenn
wir im Glauben an den ewigen Gott sterben. Wir lassen unser Leben in
die Gegenwart Gottes los. Wir tun das in der Gewissheit, dass es den
ewigen Gott gerade auszeichnet, mit der Kraft seiner Ewigkeit das
Leben seiner Geschöpfe nicht loszulassen.
Christinnen und
Christen gewinnen diese Gewissheit durch Jesus Christus. Denn das
Leben und Sterben dieses Menschen begründet ihren Glauben an Gott. Es
ist ihnen als verewigtes Leben und Sterben gegenwärtig. Mit ihm
spricht der ewige Gott sie an. Durch ihn ruft er sie zu sich. Ihn –
Gottes uns menschlich zugewandte Ewigkeit – haben sie vor Augen, wenn
sie auf ihren Tod zu gehen.
Natürlich bewegt uns
Alle dringend die Frage: Was wird dann geschehen? Wie wird es sein,
wenn Gott unser zu Ende gegangenes Leben verewigt? Es ist ja die Frage
unseres Lebens schlechthin. Doch kein Mensch kann auf sie aus
Erfahrung antworten. Und die Toten bleiben stumm. Nur der nicht, in
dem Gott das Geheimnis seiner menschlichenfreundlichen Ewigkeit unter
uns ankern ließ. Er treibt unsere Hoffnung an, dass wir in unserem
Tode seinen Spuren in Gottes Ewigkeit folgen werden.
Hoffung kann keine
Protokolle der Zukunft ausfertigen. Sie ist darauf angewiesen, dass
sie der bewahrheiten wird, der sie ausgelöst hat. Unser ewiges Leben –
so verspricht er uns – wird ein Leben in wunderbarem Frieden mit Gott
sein. Es wird ein Leben sein, in dem wir ganz mit uns selbst
einverstanden sein können. Alles, Widerliche, Verfehlte und Böse wird
der gnädige Gott von uns scheiden. Es wird im Verhältnis zu den
Menschen, mit denen wir gelebt haben, Alles gut sein. Nichts wird mehr
dunkel sein. Wir werden „von einer Klarheit zur anderen verwandelt
werden“ ( II Kor 3, 18).
Menschen, die in
solcher Hoffnung leben, sind eigenartig menschliche Menschen. Sie sind
sich bewusst, wie relativ alles ist, was sie ins Werk setzen. Sie
halten nichts von menschlichen Absolutheitsansprüchen zur Lösung der
Welträtsel. Aber sie sind deshalb beileibe keine grauen Mäuse. Sie
vollziehen ihr Leben ja in dem Bewusstsein, dass es ewige Beachtung
findet und nichts dem Vergessen anheim fällt. Sie wissen sich darum
aufgerufen, ihr Dasein jeden Tag bis in die Stunde ihres Todes vor dem
ewigen Gott zu verantworten. Gott gibt ihnen die einmalige Chance,
sich durch ihr Leben in seiner Ewigkeit einen Namen zu machen. Bei
diesem Namen wird er uns rufen, wenn wir sterben. Auf das ewige Leben
hoffen, heißt, sich auf diesen Ruf freuen. Er ist in der Tat die
Pointe unseres Daseins und unseres Glaubens. |
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