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1. Theologische
Ausbildung schafft die geistigen Voraussetzungen zur freien,
verantwortlichen Ausübung des Pfarrberufs. Sie vermittelt nicht eine
bestimmte, wie eine Vorschrift anwendbare Theorie pfarramtlicher
Praxis, sondern befördert Fähigkeit der Studierenden, in andauernder
eigener theologischer Verantwortung selbst praktisch werden zu können.
2. Das Theologiestudium vermittelt selbstverständlich grundlegende
Kenntnisse, ohne die der Pfarrberuf nicht ausgeübt werden kann. Es
kann sich aber nicht um einen abgeschlossenen Kanon von Kenntnissen
handeln, sondern nur um einen Anfang von Kenntnissen, der fortwährend
selbständig zu erweitern und zu vertiefen ist. Wer ein
Theologiestudium absolviert hat, hat ein brennendes Interesse an
solcher Erweiterung.
3. Ein solches Interesse kann nur im Kontext des Strebens nach
Erkenntnis entstehen, welches das Theologiestudium befördern und
wecken soll, indem es die Methoden und Wege des Erkenntnisgewinns, des
kritischen Umgangs mit verschiedenen Positionen und Konzeptionen und
damit die eigene theologischer Urteilsfähigkeit einübt. Die Freude am
Entdecken von Neuem sollte das Kennzeichen theologischer Existenz im
Pfarramt bleiben. Dazu gehört unerlässlich das theologische Gespräch.
Eine Kirche ohne dieses Gespräch, hört auf eine geistige Kraft zu
sein.
4. Christliche Theologie ist eine Funktion der das Evangelium in ihren
verschiedenen Diensten bezeugenden Kirche; wo sie das nicht ist, wird
sie zur Religions- oder Kulturwissenschaft; wenn sie das ist, steht
alle ihre Erkenntnisarbeit im Horizont der theologisch zu
verantworteten Praxis der Kirche inmitten der Gesellschaft.
Theologische Verantwortung der Praxis der Kirche stellt die Frage nach
der Wahrheit, d.h. nach dem, worauf Menschen sich im Leben und Sterben
unbedingt verlassen können. Von Pfarrerinnen und Pfarrern wird
erwartet, dass sie in einer Situation des weltanschaulichen
Pluralismus zur Wahrheitsfrage fähig sind.
5. Theologische Existenz von Pfarrerinnen und Pfarrern bedeutet
Freiheit zu dieser Praxis und kritischer Abstand zu dieser Praxis.
5.1. Die Verkündigung und alle anderen Dienste der Kirche für die
Menschen innerhalb und außerhalb der Kirche sind selbst nicht im
strengen Sinne Theologie, sondern eine eigene Dimension kommunikativer
Artikulation und Darstellung der Wahrheit des Glaubens in den
verschiedenen konkreten Lebensbezügen von Menschen. Ohne Theologie
mangelt es an nötigen Freiheit für diese Aufgabe. Die Pfarrerinnen und
Pfarrer verstricken sich in die Praxis und werden im schlechten Sinne
"dogmatisch".
5.2. Theologie schafft einen kritischen Abstand zur eigenen Praxis und
zur eingerasteten Meinung. Sie sorgt für das selbstkritische
Verhältnis von "Amtsträgern" zu sich selbst, um aufgrund dessen
intensiver und konkreter auf den Dienst zurückkommen zu können.
5.3. Ohne Zeit für die Theologie gibt es gar keinen Theologievollzug.
Wer sich diese Zeit nicht zu nehmen vermag, ist in der Gefahr, ein
religiöser Ideologe zu werden. Diese Gefahr besteht auch, wenn
Theologie nur unter dem Gesichtspunkt des unmittelbaren Nutzens für
die Praxis betrieben wird. Die theologische Existenz bereichend ist
gerade die zweckfreie theologische Arbeit, die neue Dimensionen der
Wahrheit entdecken lässt.
6. Wer Theologie studiert hat, wird sich nicht daran beteiligen,
Theologie und Praxis in einen für beide Seiten schädlichen Gegensatz
zu treiben, sondern wird zugunsten beider für ihr lebendiges
Verhältnis sorgen. |
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